Ionenaustauscher-Anlagen

Entcarbonisierungsanlagen

»         Auslegungsdetails und Betriebsbedingungen

Wie auch bei den Enthärtungsanlagen wird bei den Entcarbonisierungsanlagen (EC-Anlagen) grundsätzlich zwischen Ein- und Zwei- bzw. Mehrstraßenanlagen unterschieden. Nur die Zwei- bzw. Mehrstraßen-Entcarbonisierungsanlage bietet zu jeder Zeit entcarbonisiertes Wasser, während die Einstraßen-Anlage infolge der Regeneration für etwa zwei Stunden kein entcarbonisiertes Wasser liefert.

Die Straßenkapazität Kerf [mol] wird durch den geforderten Volumenstrom [m³/h], die Hydrogencarbonatkonzentration im Rohwasser c(HCO3-) [mol/m³] und die geforderte Standzeit [h] berechnet. Diese beträgt mindestens 8 Stunden.

Kerf = x c(HCO3-) x Standzeit

Bei der Auslegung der Anlage ist zu berücksichtigen, dass die maximale lineare Strömungsgeschwindigkeit im Druckbehälter in dem sich das Ionenaustauscherharz befindet - 40 m/h beträgt. Der dazugehörige Volumenstrom im Druckbehälter muss immer größer als der geforderte Volumenstrom sein (bzw. genauso groß)

Die Rohrleitungsnennweite ist - wie bei den Enthärtungsanlagen - durch den höchstzugelassenen Volumenstrom im Rohrleitungssystem   Rmax [m³/h] festgelegt. Der geforderte Volumenstrom   darf maximal den Wert     Rmax erreichen.

Bei den Rohr- und Armaturwerkstoffen muss abgewogen werden zwischen der höheren Umweltverträglichkeit und der Beständigkeit gegen höhere Temperaturen und organische Lösungsmittel bei PP gegen die niedrigeren Kosten für PVC. Edelstahl als kostenintensivste Verrohrungsvariante bietet neben den Vorteilen von PP die Möglichkeit einer Sterilisation mit chemischen Mitteln.

Eine Entcarbonisierung als Ionenaustauschverfahren bewirkt eine Teilentsalzung des Wassers durch Entfernung der sog. temporären Härte. Das ist der Anteil an den Erdalkaliionen Calcium und Magnesium, die im Äquivalent zu Hydrogencarbonationen vorliegen. Calcium- und Magnesiumionen werden über einen schwach sauren Kationentauscher in der H-Form gegen H+-Ionen ausgetauscht. Die freigesetzten H+- Ionen verbinden sich mit Hydrogencarbonationen zu Kohlensäure. Es können dabei nur Äquivalente zur vorhandenen Hydrogencarbonat - Konzentration ausgetauscht werden. Daher wird eine Weichwasserqualität mit einer Gesamthärte erreicht, die der ursprünglichen Differenz von Gesamt- und Carbonathärte entspricht. Die gleichzeitig freigesetzte Kohlensäure kann als Kohlendioxidgas ausgetrieben werden.

Nach Erschöpfung der Ionenaustauschkapazität wird der Filter mit verdünnter Salzsäure regeneriert. Dabei wird kein Überschuss benötigt, sondern lediglich ein Äquivalent zu der abgeschiedenen Zahl von Kationen.

Das dabei anfallende Abwasser ist daher auch nur schwach mit Säure belastet. Im Interesse eines möglichst wirtschaftlichen Betriebes ist es zu empfehlen, die optional verfügbare Säurezumesseinrichtung vorzusehen. Für wechselnde Wasserqualität wird eine qualitätsabhängige Steuerung mittels Prozesstitrator empfohlen.

Dabei wird die Regeneration bei einem genau definierten Beladungszustand ausgelöst. Die Regeneration erfolgt im Gegenstrom. Harzqualität - wie bei den Enthärtungsanlagen in hochwertiger, monosphärischer Ausführung - und Anlagendesign ermöglichen eine Regeneration mit geringster Spülwassermenge. Bei üblichen Brunnen- oder Stadtwasserqualitäten beträgt diese weniger als 1 % der erzeugten Reinwassermenge.  

Die Entcarbonisierung ist unempfindlich gegenüber erhöhten Eisen- und Mangangehalten im Rohwasser. Eisen- und Manganionen werden ebenfalls abgeschieden. Betriebe mit eigener Brunnenwasserversorgung können daher oftmals auf eine vorgeschaltete Enteisenungsanlage zur Betriebswassererzeugung verzichten.

Die Steuerung des Betriebs- und Regenerationsablaufes ist, wie bei den Enthärtungsanlagen, über eine programmierbare Mikroprozessorsteuerung möglich, aber auch eine Integration der Anlage in eine SPS ist optional realisierbar.

Anlagen - Fliesschema

In Abb. 4 ist das Fliesschema einer Zweistraßen - Entcarbonisierungsanlage dargestellt.

Die betriebsbereite Anlage besteht aus folgenden Baugruppen:

1.      Druckbehälter mit Austauscherharzfüllung und innerem Verteilersystemen

2.      Gestell mit Verrohrung

3.      Einzelstraßenventilen

4.      Zumesseinrichtung für Salzsäure mit Zumessgefäß, Säureventil, Durchflussbegrenzer, Injektor

5.      Kontaktwassermengenzähler

6.      Feinfilter zum Schutz der Anlage bei besonders trübstoffreichem Wasser

7.      Durchflussmesser für Einspeisewasser und Säure

8.      Absperrarmaturen, Manometern, Probenahmehähne

9.      Mikroprozessorsteuerung (optional SPS)

Bei der Entcarbonisierung sind insgesamt vier Volumenströme vorhanden: das Einspeisewasser, das entcarbonisierte Wasser, die Säure zur Regeneration und der Abwasserstrom.

Abbildung 4: Fließschema einer Zweistraßen - Entcarbonisierung

Die EC-Anlage ist als 2-Filter-Ionenaustauscheranlage ausgelegt. Damit die Förderbereitschaft für entcarbonisiertes Wasser ununterbrochen gewährleistet ist, arbeitet die Anlage im Pendelbetrieb. Ein Filter ist ständig im Betrieb, während der andere in Reserve steht.

Die Entcarbonisierungsanlage arbeitet nicht - wie bei den Enthärtungsanlagen - mit Zentral sondern mit Einzelsteuerventilen. Das Einspeisewasser gelangt über Feinfilter, Wassermengenzähler Anlagen- und Straßen-Eingangsventil in das obere Verteilersystem des Druckbehälters. Das Wasser durchströmt das Harzbett von oben nach unten, wobei dem Wasser die Carbonathärte entzogen wird. Im unteren Teil des Harzbettes tritt das entcarbonisierte Wasser aus und wird über das untere Verteilersystem aus der Druckflasche befördert. Über das Betriebsventil der Straße fließt das Wasser zum Verbraucher.

Bei Erschöpfung einer Filtersäule schaltet die Anlage automatisch auf das betriebsbereite Filter um und die erschöpfte Filtersäule wird regeneriert. Die Regenerationsauslösung erfolgt in diesem Fall mengenabhängig.

Im ersten Regenerationsschritt wird das Harzbett von unten nach oben mit Wasser gespült (die Regenerationsventile V1.3 und V1.4 bzw. V2.3 und V2.4 sind offen). Im zweiten Regenerationsschritt wird der erschöpfte Ionenaustauscher mit verdünnter Salzsäure regeneriert. Hierbei ist, neben den oben genannten Regenerationsventilen, zusätzlich das Säureventil offen. Die Säure wird in einem definierten Verhältnis mit dem Spülwasser verschnitten, bevor es das Filterbett von unten nach oben durchströmt. Im letzten Regenerationsschritt werden die restlichen Spuren an Säure ausgespült, wobei das Filterbett von oben nach unten mit Wasser durchströmt wird (das Straßeneingangsventil und V1.6 bzw. V2.6 sind offen). Das während der Regeneration anfallende Abwasser sollte, wenn es in keine hauseigene Neutralisationsanlage fließt, über einen Neutralfilter abgeleitet werden.

»         Anwendungsbereiche

Speisewasseraufbereitung für Rückkühlwerke und Luftwäscher

Der entscheidende Kostenfaktor bei dem Betrieb von Rückkühlwerken und Luftwäschern ist der Verbrauch (die Verschwendung) von Wasser und Abwasser. Entcarbonisiertes Wasser erlaubt den Betrieb mit wesentlich höherem Eindickungsfaktor. Mittels einer Verschneidevorrichtung kann das Speisewasser auf ein Optimum zwischen Ablagerungstendenz und Korrosivität eingestellt werden. Neben dem Abwasserminimierungsgebot nach § 7a, WHG amortisiert sich eine Entcarbonisierungsanlage oftmals in weniger als einem Jahr. Eindickungsbegrenzend ist der Gesamtsalzgehalt im Umlaufwasser.

Speisewasseraufbereitung für Dampferzeuger

Auch beim Kesselbetrieb ist die zu erzielende Eindickungszahl der entscheidende Kostenfaktor. Die Absalzwassermenge sollte nicht über 5 - 10 % der Dampfmenge liegen. Entcarbonisiertes Wasser erlaubt nicht nur den Betrieb bei wesentlich höherer Eindickungszahl, sondern vermeidet auch die Gefahr der Kohlensäurekorrosion im Kondensatsystem. Eindickungsbegrenzend sind Kieselsäure- und Salzgehalt.

Autoklavenkreisläufe

Entcarbonisiertes Wasser lässt sich so einstellen, dass bei sämtlichen Autoklaventypen eine ablagerungsfreie Betriebsweise erreicht werden kann.

Entcarbonisierung im Rahmen der Vollentsalzung

Die Entcarbonisierung ist bei weitem das kostengünstigste Entsalzungverfahren. Mit einem Äquivalent an Salzsäure kann zugleich ein Äquivalent an Kationen und Anionen aus dem Rohwasser entfernt werden. Daher ist für eine wirtschaftlich betriebene Entsalzungsanlage oftmals eine Entcarbonisierung als erste Verfahrensstufe zu empfehlen.

Prozess- und Spülwasser

Für das Ansetzen von Prozessbädern und für Spülwasser, z.B. in der Oberflächenbehandlung von Metallen (Entfettungs- und Phosphatieranlagen, Chromatierung, Eloxalanlagen, Galvanikbädern, Vorbehandlung bei Beschichtungen) entspricht entcarbonisiertes Wasser oftmals den geforderten Qualitätsansprüchen.

Getränkeindustrie

Entcarbonisiertes Wasser entspricht den Qualitätsansprüchen zur Herstellung von Bier und Fruchtsaftgetränken.


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