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Den angewandten
Reinigungsoperationen liegen unterschiedliche physikalisch-chemische
Verfahren zu Grunde. Die wichtigsten sind chemische und biochemische
Reaktionen, Adsorptionsverfahren, sowie mechanische und thermische
Grundoperationen. Fällung
Aufgabe der Fällung ist es,
durch Überschreitung der Löslichkeit, gelöste Wasserinhaltsstoffe
in schwerlösliche Verbindung zu überführen, um anschließend eine
mechanische Abtrennung durchführen zu können. Fällungsreaktionen
werden vor allem zur Abtrennung von gelösten Metallionen angewandt.
Die häufigste Fällungsform besteht in der Überführung in schwerlösliche
Metallhydroxide. Hierzu ist die Einstellung eines optimalen pH-Wertes
erforderlich. Die durch die Fällung
entstehenden festen Verbindungen können in den meisten Fällen
aufgrund ihrer geringen Größe erst im Rahmen einer nachfolgenden
Flockung aus dem Wasser entfernt werden. Die Flockung erfolgt im
Allgemeinen parallel zur Fällung und wird in der Praxis in
Kombination durchgeführt. Neben dem Löslichkeitsprodukt
der jeweiligen Metallverbindung sind auch deren Absetzbarkeit und
Volumen (Wassergehalt) zu berücksichtigen. In einigen Fällen werden
bessere Ergebnisse durch die Ausfällung als Karbonate erzielt. In
manchen schwierigen Fällen, insbesondere in Gegenwart von
Komplexbildnern, kann eine Fällung in Form von Sulfiden erforderlich
sein. Störende
Anionen können oftmals in Form ihrer Calcium-, Eisen- oder
Aluminiumsalze gefällt werden. Entgiftung
Darüber hinaus spielen
innere chemische Reaktionen bei der Beseitigung anorganischer
Giftstoffe eine Rolle. Besonders die Behandlung cyanid- und
nitrithaltigen Abwassers ist von Bedeutung. Primär werden hierbei
Oxidationsverfahren in Verbindung mit einer pH-Wert-Regelung
angewandt. Übliche Oxidationsmittel sind Kaliumhydrogenmonoperoxosulfat (Caroat), Natriumhypochlorit, Natriumperoxodisulfat, Ozon, Sauerstoff und Wasserstoffperoxid. Biologischer
Abbau Der Abbau organischer, aber
auch anorganischer Stoffe durch die Stoffwechseltätigkeit von
Mikroorganismen gehört zu den wichtigsten Abwasserreinigungsmaßnahmen.
Ziel ist stets die wesentliche Verringerung des CSB- und des
BSB-Wertes. Erfasst werden ausschließlich biologisch abbaubare
Verbindungen. Organische Abwasserinhaltsstoffe werden im aeroben
Stoffwechsel bis zu Kohlendioxid und Wasser mineralisiert. Der
Abbau erfolgt im gut belüfteten Belebungsbecken. In den
vergangenen Jahren wurden hierzu Kompaktanlagen entwickelt, die auch
kleineren und mittleren Betrieben eine kostengünstige
Abwasserbehandlung ermöglichen. Neben dem aeroben Abbau
spielt in stark belastetem Abwasser auch der anaerobe biologische
Abbau eine gewisse Rolle. Dieser wird vor allem zur Vorbehandlung
organisch höher belasteten Abwassers eingesetzt. Die gasförmigen
Endprodukte NH4 und CO2 können als Biogas
energetisch verwertet werden. Flockung, Sedimentation, Flotation
Zur Entfernung vorhandener
oder nach einer Fällungsreaktion gebildeter Fest- und Trübstoffe ist
eine Phasentrennung fest/flüssig erforderlich. Hierzu bedarf es einer
genügend guten Absetzbarkeit oder Filtrierbarkeit. Feine
Feststoffteilchen werden oftmals durch gleichsinnige elektrische
Oberflächenladung an ihrer Agglomeration gehindert. In diesem Fall
ist eine Flockung erforderlich. Der erste
Schritt der Flockung besteht darin, die Oberflächenladung durch
Dosierung und Adsorption entgegengesetzt geladener Teilchen zu
neutralisieren und so eine Koagulation zu ermöglichen. Hierzu werden
meist Eisen- oder Aluminiumsalze (primäre Flockungsmittel) verwendet. Die Agglomeration zu größeren
Teilchen mit höherer Absetzgeschwindigkeit kann durch Dosierung
hochmolekularer Polymere erreicht werden, die eine Brückenbindung
zwischen kleinen Partikeln bewirken. Dieser Vorgang wird als Flockung
bezeichnet. Primäre Flockungsmittel und die so genannten
Polyelektrolyte werden häufig gemeinsam eingesetzt. Zur Erzielung
einer optimalen Trennleistung bei einer speziellen Problemstellung
sind stets Reinversuche im Labormaßstab erforderlich. Im Allgemeinen haben die
entstandenen Feststoffe eine höhere Dichte als Wasser und setzen sich
am Boden des Sedimentationsbehälters ab, während klares Wasser oben
abläuft. Bei Stoffen ähnlicher oder geringerer Dichte als Wasser ist
nur ein Absetzen an der Wasseroberfläche möglich. Um den
Trennvorgang zu beschleunigen, werden die Agglomerate mit Gasbläschen
beladen, während klares Wasser im unteren Behälterteil abläuft.
Diesen Vorgang bezeichnet man als Flotation. Aufgrund der
Entwicklung von preisgünstigen Kompaktanlagen zur Flockung haben
diese Reinigungsverfahren auch für kleinere und mittlere Betriebe
zunehmend an Bedeutung gewonnen. Ultrafiltration
Auch in der
Prozess- und Abwasseraufbereitung findet die Ultrafiltration ihren
Einsatz. Das
aufzubereitende Prozesswasser kann z.B. Öle, Feststoffe und/oder
Korrosionsprodukte enthalten, die mittels Ultrafiltration entfernt
werden. Prozesswasserstandzeiten können so verlängert, chemische
Produkte auf diese Weise eingespart und das Prozesswasser soweit
aufbereitet werden, dass es den Abwassereinleitbedingungen entspricht. Das zugrunde liegende
Prinzip bei der Phasentrennung von Emulsionen oder Dispersionen ist
die Aufwendung von Arbeit. Der Trennvorgang findet im Allgemeinen im
so genannten Cross-Flow-Verfahren an der Membranoberfläche statt.
Cross-Flow bedeutet, dass die zu spaltende Emulsion quer zur Membranoberfläche
mit hoher Strömungsgeschwindigkeit fließt, wodurch der Aufbau
eines Filterkuchens durch die auftretenden Scherkräfte minimiert
wird. Die Arbeit für den
Trennvorgang im Ultrafiltrationsmodul wird von einer Pumpe verrichtet.
Durch die Porengröße der Membran werden die Bestandteile des zu
reinigenden Rohwassers (Feed) nach ihrer Molekülgröße getrennt. Die
gelösten Teilchen passieren die Poren der Membran und bilden das
Permat. Die ungelösten Teilchen fließen an der Oberfläche der
Membran weiter und werden als Retentat bezeichnet. Die Permeatausbeute wird primär durch die Tendenz des Retentats zur
Bildung von Ablagerungen begrenzt, was zur Verblockung der Membranen
führen kann. Die Verhinderung der Membranverblockung ist eines der
Hauptprobleme bei der Auslegung einer Anlage. Adsorption und Ionenaustausch
In der
Abwasserbehandlung werden Adsorptions- und Ionenaustauschverfahren zur
Entfernung geringer Konzentrationen an Inhaltsstoffen aus relativ
reinem Wasser eingesetzt. Auch die Rückgewinnung von Werkstoffen
spielt hierbei eine Rolle. Die
verfahrenstechnischen Abläufe sind dabei die gleichen, wie bei
Reinigungsoperationen zur Trink- und Betriebswassererzeugung.
Kationen- oder Mischbettionenaustauscher werden z.B. zur Entfernung
oder Rückgewinnung von Schwermetallspuren eingesetzt. Adsorberharze
finden bei der Entfernung von organischen Verbindungen, wie
Farbstoffen, Tensiden, Ölen und Fettsäuren Verwendung. Aktivierte
Tonerde (Aluminiumoxid) als Sorbens wird zur Entfernung von polaren,
hydrophilen organischen Stoffen eingesetzt. Aktivkohle ist ein
bevorzugtes Filtermaterial zur Abtrennung
von nicht polaren, hydrophoben, organischen Verbindungen, insbesondere
von Chlorkohlenwasserstoffen. Thermische Trennverfahren
Zur Abtrennung und Rückgewinnung
flüchtiger organischer Bestandteile, insbesondere Lösungsmitteln,
werden Destillations- und Strippverfahren in der Abwassertechnik
verwendet. Als Strippen bezeichnet wird das Austreiben von flüchtigen
Bestandteilen aus Flüssigkeiten mit Wasserdampf oder anderen inerten
Gasen. Je nach Art und Menge der flüchtigen Bestandteile im Strippgas
werden diese in die Umgebung abgegeben, verbrannt oder durch anschließende
Kondensation oder Adsorption aufgefangen und weiterverarbeitet bzw.
entsorgt. In der Abwasserbehandlung
wird das Strippen zur Entfernung von Ammoniak, Schwefelwasserstoff,
Kohlendioxid und insbesondere von Chlorkohlenwasserstoffen eingesetzt.
Die Wirtschaftlichkeit ist in diesem Fall jedoch auf Abwasser mit
wenigstens rund 50 bis 100 mg/l CKW bei einer Mindestabwassermenge von
einigen m³/h beschränkt. Ansonsten sind Adsorptionsverfahren
vorzuziehen. Neben den
thermischen Trennverfahren spielen Extraktionsverfahren in der
Abwassertechnik eine begrenzte Rolle. Weiterverarbeitung und Entsorgung
Die meisten der beschriebenen Verfahren führen zu einem gereinigten Abwasser und einem Konzentrat mit den entfernten Stoffen. Das Konzentrat erfordert eine Weiterverarbeitung. Bei anfallendem Schlamm wird im Allgemeinen zunächst durch Filtrationsverfahren der Wassergehalt und somit auch das Volumen reduziert Die weitere Behandlung wird - mit Ausnahme einiger Großbetriebe - nicht vom Betreiber, sondern von entsprechend spezialisierten Unternehmen durchgeführt. In günstigen Fällen kann eine direkte Verwertung oder die Rückgewinnung von Wertstoffen erfolgen. In anderen Fällen ist das Abfallprodukt problemlos deponierbar (Deponieverordnung - DepV). Oftmals müssen
jedoch weitere Verfahrensstufen zur Beseitigung der Abfallstoffe
erfolgen, die mit beträchtlichen Kosten verbunden sein können.
Hierzu zählen: Eindampfung, Verbrennung, Nassoxidation und
Vorkehrungen zur Einlagerung in speziellen Deponien.
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