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Mikroorganismen,
wie Algen, Bakterien und Pilze, finden in vielen wasserführenden
Systemen ideale Lebensbedingungen vor. Ein ungehindertes Wachstum
dieser niederen Organismen führt meistens zu erheblichen Betriebstörungen
und Schäden. Algenwachstum
und -vermehrung läuft über die Photosynthese ab und ist daher an
Lichteinstrahlung gebunden. Probleme mit Algenwachstum gibt es daher
im Wesentlichen nur in Kühltürmen und offenen Zwischenbehältern.
Durch geeignete Lichtabschirmung kann bereits weitgehende Abhilfe
geschaffen werden. Pilze sind allgegenwärtig
und benötigen für ihr Wachstum lediglich stets im Überschuss
vorhandene mineralische Bestandteile sowie organische Verbindungen.
Jedoch ist deren ungehindertes Wachstum, das stärkere Probleme mit
sich bringt, im Allgemeinen an das Vorhandensein von Holzeinbauten in
Kühltürmen gebunden. Bakterien können aufgrund
ihrer großen Anpassungsfähigkeit unter sehr verschiedenartigen
Bedingungen existieren. Der Stoffwechsel der meisten Bakterienarten
ist aerob, d.h. an das Vorhandensein von gelöstem Sauerstoff
gebunden. Manche Arten sind jedoch auf anaerobe Lebensbedingungen
spezialisiert. Außer in besonders gereinigtem Wasser, stellt das
Nahrungsangebot auch bei hohen Bakterienpopulationen von 105
bis 106 Keimen pro ml keinen begrenzenden Faktor dar. Hygienische
Anforderungen
Durch Bakterien verursachte
Störungen und Schäden können vielfältig sein, wobei der
Verwendungszweck des Wassers und die Art des wasserführenden Systems
entscheidend sind. Für die Erzeugung von Trink- und Brauchwasser,
doch auch im Bereich der Klimatechnik, stehen hygienische
Anforderungen im Vordergrund. Trinkwasser muss keimarm und
frei von pathogenen Keimen sein. Als keimarm ist ein Wasser mit
weniger als 100 kolonienbildenden Einheiten (KBE) pro ml zu
bezeichnen. Vereinzelt auftretende pathogene Keime im Wasser sind in
der Praxis analytisch kaum erfassbar. Als Indiz für die Möglichkeit
der Übertragung von Krankheiten nimmt man daher das Vorhandensein von
Koli- und koliformen Bakterien, die Bestandteil der Darmflora und
selbst nicht pathogen sind. Trinkwasser muss daher frei von Koli- und
koliformen Bakterien sein. Für Wasser, das u.a. zur Produktion von
pharmazeutischen Produkten dient, wird völlige Keimfreiheit
gefordert. Durch geeignete Maßnahmen
ist eine Begrenzung von etwa 1000 KBE/ml in Klimaanlagen für
Normalanforderungen anzustreben. Noch strengere Forderungen sind an
Klimawäscher für Steril-Bereiche zu stellen. In solchem Umlaufwasser
sollte die KBE-Zahl im Bereich von Null bis 100 KBE /ml liegen.
Entscheidend ist die rasche Abtötung. Forderungen nach einer
Begrenzung der Gesamtkeimzahl in diesen Anlagen auf 10 KBE /ml sind
dagegen aus folgendem Grund unsinnig: Aufgrund der permanenten
Belastung der Wäscher mit Mikroorganismen aus der Außenluft und der
geforderten raschen Abtötung, muss das Wasser stark bakterizide und
fungizide Eigenschaften haben, so dass zwischen dem Zeitpunkt der
Probenahme und der Behandlung zur Keimzahlanalyse (der erste Schritt
ist eine Membranfiltration) eine analytisch nicht erfassbare
Keimzahlverringerung stattfindet. Mikrobiologische
Ablagerungen
Für Betriebswasser gelten
primär nicht hygienische, sondern andere betriebstechnische
Anforderungen bezüglich der mikrobiologischen Beschaffenheit. Es sei
allerdings darauf hingewiesen, dass von einer hohen Bakteriendichte in
Betriebswasser auch ein gesundheitliches Risiko ausgehen kann: So
wurde in einigen Fällen der epidemische Ausbruch der sogenannten
Legionärskrankheit (mit zahlreichen Todesfällen) auf eine
unkontrollierte Verteilung von Kühlwasser-Aerosolen zurückgeführt. Wichtigste Aufgabe der
mikrobiologischen Kontrolle in Betriebswasser ist die Verhinderung von
Ablagerungen. Diese werden von sogenannten schleimbildenden Bakterien
verursacht. Das sind Glykogen produzierende sesshafte Bakterienarten,
die sich oberhalb einer bestimmten Bakteriendichte im Wasser an
Werkstoffoberflächen anlagern. Allein derartige Ablagerungen können
bereits die Ursache von Betriebsstörungen sein. Als Folge der Ablagerungen
ist mit Werkstoffschädigungen zu rechnen, da belegte Materialoberflächen
der Korrosionsinhibierung nicht zugänglich sind und obendrein
Stoffwechselprodukte der Mikroorganismen korrosiv wirken. Unter den
Belägen von aeroben Schleimbildnern herrschen wegen deren
Sauerstoffverbrauchs anaerobe Bedingungen, so dass sich dort anaerob
lebende Mikroorganismen ausbreiten können. Gefürchtet sind dabei
Sulfat reduzierende Bakterien (z.B. desulfovibrio- desulfuricans), die
als Stoffwechselprodukt Schwefelwasserstoff produzieren. Die Folge
kann eine rasche Werkstoffzerstörung von Stahl sein. Um die
Ablagerung von bakteriellen Belägen in Kühlkreisläufen zu
verhindern, sind die Gesamtkeimzahlen unter 10 5 KBE/ml zu
halten. Die Gefahr der
Bildung anaerober Mikroorganismen ist besonders in geschlossenen,
wasserführenden System gegeben. Die Notwendigkeit einer
bakteriologischen Kontrolle in solchen Systemen wird oftmals unterschätzt. Ablagerungen von Glykogen produzierenden Bakterien in wasserführenden Systemen werden
üblicherweise als "bio-fouling" bezeichnet. Entstehen diese Ablagerungen auf Stahloberflächen,
sind Gehalte von bis zu 15 Prozent an Korrosionsprodukten, bezogen auf die
Gesamtmasse der Ablagerung typisch. Eine weitere Aufgabe der
mikrobiologischen Kontrolle ist der Schutz von im Wasser enthaltenden
Wirkstoffen vor bakteriologischem Abbau. Besondere Bedeutung hat dabei
die Konservierung von Bohr- und Schneidölemulsionen. Physikalische
Entkeimungsverfahren
In der Wasseraufbereitung
sind z.Z. nur zwei unterschiedliche physikalische Verfahren zur
Entkeimung von Bedeutung: Die Filtration und die Bestrahlung mit
ultraviolettem Licht. Die Filtration ist ein
mechanischer Trennvorgang. Filter mit Porenöffnungen µm
sind für Mikroorganismen undurchlässig.
Zur Erzeugung von größeren Mengen entkeimten Wassers kommen
Ultrafiltrationsanlagen zum Einsatz, bei denen der Trennvorgang über
Kunststoffmembranen oder aber Kompaktfiltern mit Einsetzen von
keramischen Filterkerzen stattfindet. Einen breiteren
Anwendungsbereich hat die UV-Entkeimung. Die UV-Strahlung bewirkt eine
Zellschädigung durch Veränderung lebenswichtiger Enzyme und der DNS.
Dadurch werden Stoffwechselvorgänge sowie eine Replikation
unterbunden. Der Mikroorganismus stirbt innerhalb kurzer Zeit.
Voraussetzung für die Wirksamkeit der UV-Entkeimung ist klares Wasser
mit geringer Absorption im UV-Bereich. Damit sind auch die Grenzen der
Anwendbarkeit vorgegeben. Die UV-Entkeimung kommt
vorwiegend bei der Trinkwasseraufbereitung sowie bei der
Nachentkeimung für Produktwasser in der Getränkeindustrie zur
Anwendung. Doch auch Umlaufwasser von Luftwäschern im Bereich der
Reinraumtechnik sind bereits erfolgreich mit UV-Sonden behandelt
worden. Chemische
Entkeimungsanlagen
Die chemische
Wasserentkeimung erfolgt durch Dosierung von bioziden Wirkstoffen. Die
verwendeten sogenannten Mikrobiozide (Algizide, Fungizide,
Bakterizide) wirken keimtötend durch die Schädigung der
Zellmembranen oder Blockierung lebensnotwendiger Stoffwechselvorgänge. Die Verwendung von
Mikrobioziden erstreckt sich nicht allein auf den Bereich der
Wasserbehandlung, sondern auch auf eine Vielzahl von unterschiedlichen
Anlagen, Stoffen und Produkten, die dem Angriff von Mikroorganismen
ausgesetzt sein können oder hygienischen Anforderungen genügen müssen.
Aus diesem Grund sind eine Vielzahl von Technologien und Wirkstoffen
zur Kontrolle der Algen-, Bakterien- und Pilzpopulation entwickelt
worden. Der schwerwiegende Nachteil
der meisten Biozide ist deren Mangel an Selektivität. Nicht nur
Mikroorganismen, sondern auch Zellen höherer Organismen können
angegriffen werden. Die Wirkstoffe sind daher, in Abhängigkeit von
Konzentrationen, zumeist gesundheitsschädlich oder giftig. Ein
weiteres Problem liegt in der anzustrebenden lokalen Wirksamkeit: So
muss z.B. im Kühlwasser eine ausreichende biozide Wirksamkeit gewährleistet
sein, ohne dass die Mikroflora in Kläranlagen oder Vorflutern geschädigt
wird. Viele Wirkstoffe, die in der Vergangenheit eingesetzt wurden,
werden heute aufgrund dieser Problematik nicht mehr verwendet. Gegenstand einer
Aufbereitungsempfehlung mit Bioziden ist es daher, eine den
Anforderungen gemäße Wirksamkeit bei hoher Wirtschaftlichkeit und
Vermeidung jeglicher gesundheitsschädlicher und ökologischer Risiken
zu erzielen. Die
unterschiedliche Wirkungsweise verschiedener Mikrobiozide ermöglicht
eine Einteilung in verschiedene Gruppen, die gemeinsam behandelt
werden können. Eine wichtige Gruppe bilden dabei die Biozide mit
starker Oxidationsbildung. Oxidierende
Biozide
Hierzu gehören chlor- und
bromabspaltende Verbindungen, Chlordioxid, Ozon, Permanganat und
Peroxide. Diese Wirkstoffe haben die oxidative Veränderung oder Zerstörung
von Enzymen und Informationsträger (DNA) der Mikroorganismen
gemeinsam. Als Maß für deren Wirksamkeit (Oxidationskraft) wird das
Redoxpotential angegeben. Je positiver das Redoxpotential ist, desto höher
ist die Oxidationswirkung. »
Chlor abspaltende Verbindungen
Gasförmiges Chlor,
anorganische und organische Chlor abspaltende Verbindungen
(Chlorbleichlauge, Chlorkalk, Chloramine, Chlorisocyanate) bilden in wässriger
Lösung Salzsäure (HCl) und die hypochlorige Säure (HOCl), den eigentlichen Wirkstoff. Cl2 + H2O
→ HCl + HOCl HOCl
→ H+ + OCl- Dieser oxidiert bevorzugt
Aminogruppen in Zellmolekülen zu Chloraminen. Aufgrund der pH-Wert
-Abhängigkeit der Dissoziation der unterchlorigen Säure - und des
Redoxpotentials - ist
eine effektive und wirtschaftliche Anwendung auf pH-Werte unter acht
beschränkt. Reaktionen mit Chlor sind wenig selektiv, so dass eine
Reihe unerwünschter Nebenprodukte entstehen können, insbesondere
Chlorkohlenwasserstoffe. Dennoch haben
Chlor abspaltende Biozide, vor allem wegen der niedrigen Kosten, einen
breiten Anwendungsbereich, der sich über Trinkwasserentkeimung,
Behandlung von Schwimmbad- und Betriebswasser in verschiedenen
Bereichen erstreckt. Die Wirksamkeit in
Betriebswassersystemen, z.B. industriellen Kühlkreisläufen, kann
durch ergänzende Dosierung sogenannter Biodispergatoren erheblich
gesteigert werden. Zur genauen Regelung der Dosierhöhe ist eine
Redoxpotentialsteuerung zu empfehlen. »
Chlordioxid Der Vorteil der oxidativen
Entkeimung mit Chlordioxid ist, dass weitaus weniger
Chlorkohlenwasserstoffe entstehen als bei Chlor abspaltenden
Verbindungen und eine bessere Wirksamkeit bei pH-Werten über acht
gegeben ist. Nachteilig sind jedoch die Bildung von ClO2-,
welches als toxisch eingeschätzt wird, der vergleichsweise höhere
technische Aufwand und die damit verbundenen höheren Kosten.
Chlordioxid kann nicht bevorratet werden, sondern muss vor der
Dosierstelle erzeugt werden. Chlordioxid ist ebenfalls als
Entkeimungsmittel für Trinkwasser zugelassen. »
Ozon Die Entkeimung mit Ozon ist
im Wesentlichen auf die Behandlung von Trink- und Schwimmbadwasser
beschränkt. Ozon kann ebenfalls nicht bevorratet werden, sondern muss
elektrochemisch an der Dosierstelle erzeugt werden. Wegen der starken
Giftwirkung sind bei der Trinkwasserbehandlung, wie mit Chlordioxid,
auch spurenweise vorhandene Überschüsse zu beseitigen. Nichtoxidierende
Biozide
»
Aldehydische Wirkstoffe Die Aktivität von Aldehyden
als Biozid beruht auf der Reaktionsfähigkeit mit Aminogruppen. Die
konservierende Wirkung von Formaldehyd (Formalin) ist seit langem
bekannt, jedoch hat dessen Verwendung als Biozid und
Desinfektionsmittel wegen des potentiell carcinogenen Charakters an
Bedeutung verloren. Obendrein sind so genannte
mehrfunktionelle Aldehyde (das sind solche mit mehreren Aldehydgruppen
in einem Molekül) als Biozid wirksamer. Neben Glyoxal und
Glutaraldehyd haben in neuerer Zeit höhermolekulare
Aldehydverbindungen nicht zuletzt aufgrund ihrer guten Abbaubarkeit an
Bedeutung gewonnen. »
Quaternäre Ammoniumverbindungen Diese Stoffklasse findet
seit langem, insbesondere in industriellen Kreisläufen, Verwendung.
Die so genannten Quats greifen die Zellmembran von Mikroorganismen an
und haben aufgrund ihrer Tensideigenschaften eine gute
Reinigungswirkung. Ein rascher und vollständiger Abbau in
biologischen Klärstufen ist erwiesen. Nachteilig ist die starke
Schaumwirkung. »
Isothiazolon-Verbindungen Zur Produktkonservierung und
als Biozid in Betriebswasser haben Isothiazolonderivate während der
vergangenen Jahre einen beträchtlichen Marktanteil errungen. Der
Grund liegt in den allgemein niedrigen erforderlichen
Einsatzkonzentrationen. Der genaue
Wirkungsmechanismus ist nicht bekannt. Isothiazolonderivate werden in
ausreichender Verdünnung langsam biologisch abgebaut, jedoch ist
aufgrund der beträchtlichen Toxizität, auch für höhere
Wasser-Organismen, bei der Abwasserabgabe stets Vorsicht geboten. »
Weitere Biozidwirkstoffe Eine große Zahl
von Mikrobioziden wurde für unterschiedliche Anwendungsbereiche
entwickelt und viele fanden auch in der Wasserbehandlung Verwendung.
Davon sind einige Stoffe wegen ihrer toxikologischen oder ökologischen
Bedenklichkeit wieder vom Wasseraufbereitungsmarkt verschwunden
(Acrolein, Formaldehyd, Chlorphenole, Schwermetallverbindungen). Andere haben jedoch einen
festen Platz in der Betriebswasserbehandlung. Die wichtigsten sind
bromorganische und schwefelorganische Verbindungen, auf die hier
jedoch nicht näher eingegangen werden soll. Immunität von Mikroorganismen
In Kreislaufsystemen kann
gegenüber jedem der vorgenannten Wirkstoffe nach einiger Zeit eine
gewisse Immunität eintreten. Hierfür gibt es im Wesentlichen zwei Gründe: » Selektion: In wasserführenden Systemen können viele Arten
von Mikroorganismen auftreten, die auf bestimmte biozide Wirkstoffe
unterschiedlich empfindlich reagieren. Die Beseitigung einiger Arten
kann für andere mit höherer Widerstandsfähigkeit die Erweiterung
ihres Lebensraumes bewirken, so dass langfristig lediglich eine Veränderung
der Artenzusammensetzung erreicht wird. » Adaption: Mikroorganismen haben, begünstigt durch ihren
kurzen Generationswechsel, die bemerkenswerte Eigenschaft, sich veränderten
Lebensbedingungen anzupassen. So reagieren z.B. manche Bakterienarten
auf Zellgifte mit erhöhter Glycogenproduktion und bauen auf diese
Weise eine Schutzhülle auf. Eine derartige
Ausbildung resistenter Arten und Stämme führt allmählich zu einer
Beschränkung der Wirksamkeit von Bioziden. Durch eine Optimierung der
Dosierintervalle und gelegentlichem Wechsel der Wirkstoffe können
derartige Nachteile weitgehend vermieden werden.
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